Wolfgang Riedmann - Casey Jones und der Cannonball

Advertisements
জার্মান
A A

Casey Jones und der Cannonball

Casey Jones und der Cannonball
 
John Luther Jones, Casey genannt,
stand dereinst auf dem Führerstand
der Lok des Zugs, welcher zum Zwecke
des Ferntransportes auf der Strecke
Chicago-New Orleans verkehrte
und so die USA durchquerte.
 
Doch Caseys Ruhm, der kam nicht nur
daher, dass er das Dampfross fuhr,
die Lok am legendären Zug,
der „Cannonball“ als Namen trug,
nein, jedermann erkannte Jones
auch am speziellen Klang des Tons
 
der Pfeife, die der talentierte
Lokführer auf die Lok montierte,
um sowohl Menschen als auch Tieren
ihr Nahen zu signalisieren.
Nein, Caseys Weltbekanntheit rührte
von einer Tat, die er vollführte,
 
von einer Tat, die jedermann
als Heldentat bezeichnen kann!
Der ungewöhnlich Pflichtbewusste
tat nämlich, was er tuen musste:
Die Pünktlichkeit der Post war eben
ihm wichtiger als Leib und Leben!
 
Auf Einschreiben, Versandhausware,
auf Rechnungen und Formulare,
auf Strafbefehle, Liebesbriefe,
auf Rundschreiben, informative,
auf Urlaubsgruß und Kondolenz,
und auf Geschäftskorrespondenz,
 
auf Zeitschriften und Werbe-Flyer,
auf Wünsche zur Geburtstagsfeier,
auf Päckchen und Geschenkpakete,
auf Einladung zu einer Fete,
auf Mahnungen und Ansichtskarten ,
will wahrlich niemand lange warten!
 
Drum war es Casey Jones' Gebot:
Schnellster Transport der Post tut not!
Was man versendet in den Staaten,
sollte so schnell beim Adressaten
eintreffen, wie die Technik dies
gerade möglich machen ließ.
 
Und wenn der Post auf dem Transport
zu ihrem Auslieferungsort
eine Verspätung drohen sollte,
dann gab's nur Eins, was Casey wollte:
durch kühne Fahrt und viele Kohlen
den Rückstand schnellstens aufzuholen.
 
Schnaubend, schwitzend, fauchend, keuchend,
jede Kreatur verscheuchend
raste über die Geleise
fahrplanmäßig auf der Reise -
meilenweise, meilenweise -
dieser eiserne Gigant,
furios und fulminant,
diese legendäre Lok,
mit Casey auf dem Kutscherbock,
und der Klang des Pfeifentons
ließ keinen Zweifel: Es ist Jones!
 
An einem Frühlingsabend lenkte,
als sich die Nacht hernieder senkte,
John Luther Jones den „Cannonball“
in Memphis' Railway Station Hall.
Jedoch bedeutete das nicht
das Ende einer langen Schicht.
 
Krank gemeldet war, der ihn
ablösen sollte, und erschien
deshalb nicht an den Geleisen,
um statt Casey abzureisen.
Casey Jones, der Pflichtbewusste,
tat, was er nun tuen musste:
 
Natürlich zögerte er nicht
und übernahm auch dessen Schicht.
Er stieg samt Heizer kurzerhand
gleich wieder auf den Führerstand
und wollte ohne langes Warten
sofort in Richtung Canton starten.
 
Zur Abfahrt gab ihm aber nicht
der Fahrdienstleiter grünes Licht:
Es war ein Radreifen verschlissen,
solch ein Defekt, das muss man wissen,
kann bei der Fahrt auf den Geleisen
als brandgefährlich sich erweisen.
 
In solchen Fällen allemal
hat man nun keine and're Wahl,
da blieb auch damals eines nur:
schnellstmögliche Reparatur.
Es eilte drum herbei im Nu
die örtliche Montage-Crew.
 
Mit größtem Eifer machte man
sich ohne Zögern nun daran,
in allergrößtem Tempo eben
den Reifenschaden zu beheben.
Wenn auch nach viel zu langer Zeit
war Caseys Zug dann fahrbereit.
 
Die Fahrgäste und Casey waren
erfreut, nun endlich abzufahren,
und Casey ließ, ohne zu grollen,
den Zug in Richtung Canton rollen,
entschlossen, die verlor'ne Zeit
mit seinem fahrerischen Schneid
 
und deutlich mehr als hundert Sachen
schnellstmöglich wieder wettzumachen -
und so auch noch vor allen Dingen
die Post pünktlich zum Ziel zu bringen!
Im Kessel herrschte darum schon
sehr bald die höchste Kompression,
 
und in der Abenddämmerung sah
man Caseys Zug von fern und nah
mit Passagier- und Bahnpostwagen
nun über die Geleise jagen,
wie er in Richtung Canton flog
und hinter sich den Rauch herzog.
 
Schnaubend, schwitzend, fauchend, keuchend,
jede Kreatur verscheuchend -
hastete in größter Eile
der Cannonball Meile für Meile,
und der Klang des Pfeifentons
ließ keinen Zweifel: Es ist Jones!
 
Nicht lange dauerte es, bis
eine totale Finsternis
sich über dem gesamten Land
und rund um Caseys Zug befand,
die nur knapp hundert Meter lang
der Scheinwerfer der Lok durchdrang.
 
Im Schweiße seines Angesichts
blieb nun dem Heizer weiter nichts,
als pausenlos des Dampfdrucks wegen
Kohle ins Feuer nachzulegen,
dieweil Casey im Führerstand
ganz konzentriert und unverwandt
 
das Gleis nicht aus dem Blick verlor,
wenngleich bereits ein Nebelflor
sich mehr und mehr ins Blickfeld drängte
und so die Sicht aufs Gleis verhängte.
Drum wundert es wahrhaft nicht sehr:
Jones' Augen wurden langsam schwer.
 
Schnaubend, schwitzend, fauchend, keuchend,
jede Kreatur verscheuchend -
durch Dunkelkeit und Nebel rasend,
riesige Wolken Rauch rausblasend,
und der Klang des Pfeifentons
ließ keinen Zweifel: Es ist Jones!
 
Die schnelle Lok mit ihren langen
hyperaktiven Pleuelstangen
und den hintangehängten Wagen,
in denen Passagiere lagen,
und dem Waggon, wo die versierten
Beamten fleißig Post sortierten,
 
strebte geführt von einem müden
Lokomotivführer nach Süden
mit Passagieren, Post und Fracht
durch diese nebelige Nacht,
Schrankenwärter, Weichensteller
wussten, Jones fuhr niemals schneller.
 
Nach jenem viel zu späten Start
und einer Stunde wilder Fahrt
vermerkte Casey voller Stolz,
dasss die Verspätung langsam schmolz
und dass die Post vielleicht sogar
noch pünktlich auszuliefern war.
 
Schnaubend, schwitzend, fauchend, keuchend,
jede Kreatur verscheuchend -
donnerte im hektisch-schnellen
Takt der Zug über die Schwellen,
und der Klang des Pfeifentons
ließ keinen Zweifel: Es ist Jones!
 
Der Nebel wurde dicht und dichter,
man sah nicht einmal mehr die Lichter
der Orte rechts und links der Gleise,
welche der Zug auf dieser Reise
mit Höchstgeschwindigkeit passierte
und mit viel Lärm inkommodierte.
 
Die Lok, sie hatte einen Lauf,
dieweil die Passagiere auf
den Bänken dösten oder träumten
und so den wilden Ritt versäumten,
den Casey Jones in dieser Nacht
mit Schneid und Heldentum vollbracht!
 
Rings um die Gleise weit und breit
herrschte nun tiefste Dunkelheit,
die Caseys Schienenfahrzeug mit
höchstmöglichem Elan durchschnitt.
Für Casey galt dabei allein:
Die Post, die Post muss pünktlich sein!
 
Schnaubend, schwitzend, fauchend, keuchend,
jede Kreatur verscheuchend -
schoss der Cannonball rasant
durchs in Schwarz getauchte Land,
und der Klang des Pfeifentons
ließ keinen Zweifel: Es ist Jones!
 
Inzwischen waren kaum noch Schemen
von der Umgebung wahrzunehmen,
und einzig das gehetzte Stöhnen
der Lok und das markante Tönen
der Räder auf der Eisenspur
zeugten vom Tempo dieser Tour.
 
So wie die Gischt von Brandungswellen,
die an der Küste jäh zerschellen,
doch ohne jede Pause schnellten
die kurz vom Scheinwerfer erhellten
zeriss'nen Nebelschwaden flugs
entlang der Lok, entlang des Zugs.
 
Betäubend klangen die Gesänge
der Dampfzylinder und Gestänge
in Caseys Ohren, sein Gesicht
verriet jedoch die Zuversicht,
trotz aller widrigen Gewalten
den Fahrplan letztlich einzuhalten.
 
Schnaubend, schwitzend, fauchend, keuchend,
jede Kreatur verscheuchend -
kämpfte sich der Zug mit Macht
durch den Nebel, durch die Nacht,
und der Klang des Pfeifentons
ließ keinen Zweifel: Es ist Jones!
 
Nun waren Stunden schon verflossen,
erschöpft, verschwitzt, doch unverdrossen
versah der Heizer seine Pflicht
und schaufelte im Flackerlicht
der Feuerbüchse viele Kohlen,
um die Verspätung aufzuholen.
 
Derweilen stand der konzentrierte
Jones auf dem Führerstand und stierte
ohn' Unterlass in das zerfetzte
Gewölk, das ihm entgegenhetzte,
er setzte sich zwar noch zur Wehr,
doch seine Glieder wurden schwer.
 
Von der Kesselglut gewärmt,
stetem Nebelflaum umschwärmt
und vom Tempo-Rausch verzückt
schwebte Casey nun entrückt,
doch entschlossen und verwegen
Canton, seinem Ziel, entgegen.
 
Schnaubend, schwitzend, fauchend, keuchend,
jede Kreatur verscheuchend -
schoss der Zug mit seinem müden
Lokführer weiter nach Süden,
und der Klang des Pfeifentons
ließ keinen Zweifel: Es ist Jones!
 
Wie herrlich das Gefühl des Glücks,
den Widrigkeiten des Geschicks
mit Mut und beispiellosem Schneid
und rasender Geschwindigkeit
getrotzt zu haben! Und sogar
noch siegen werden! Wunderbar!
 
Glücklich auch die Postempfänger,
die dank seinem Mut nicht länger
auf die vielen Briefe, Karten,
Päckchen und Pakete warten
sollten und dem Pflichtbewussten
Anerkennung zollen mussten.
 
Doch was war dies Licht, das nur
ganz kurz neben der Schienenspur
im Nebel flackerte und so
wie eine Sternschnuppe entfloh?
War's eine Haluzination,
ein Trugbild, eine Illusion,
 
die in solcher Nebelnacht
den Lokführer zum Narren macht?
War das, was Casey Jones geseh'n,
in Wirklichkeit gar nicht gescheh'n?
Bildete er all dies sich ein?
Was sonst könnt' es gewesen sein?
 
Vielleicht ein Hirsch oder ein Bock,
der - kurz vom Schweinwerfer der Lok
erfasst - schnell weg vom Schienenstrang
wieder zurück ins Dunkle sprang?
Sah er am Bahndamm einen Brand,
der wohl durch Funkenflug entstand?
 
Doch hatte ihn möglicherweise
vorhin am Rande der Geleise
jemand verzweifelt alarmiert
und ihm Gefahr signalisiert?
John Luther Jones war nun hellwach
und hörte auch den lauten Krach
 
der auf den Schienenstrang platzierten
Knallkörper, die nun explodierten,
um ihn mit ihrem lauten Krachen
noch einmal aufmerksam zu machen.
Er wusste, die Geschwindigkeit
zu drosseln war jetzt höchste Zeit.
 
Mit Tempo noch und schrillen Pfiffen
rauschte, bevor die Bremsen griffen,
der Zug über den Schienenbogen
unmittelbar vorm Bahnhof Vaughan.
Um Gottes Willen! Aus dem Nichts
sprang nun ein Schimmer roten Lichts,
 
Schlusslichter eines Zugs, der stand,
sich auf dem Ausweichgleis befand,
doch dessen Ende dummerweise
sogar auch noch die Hauptgeleise
in dieser Nebelnacht blockierte
und nun John Luther Jones schockierte.
 
Der notgebremste Zug schrie auf,
als er in seinem wilden Lauf
mit Räderwerk aus blankem Eisen
auf den mit Sand bestreuten Gleisen
nun schlitterte und nicht mehr rollte,
da er zum Stehen kommen sollte.
 
So wie ein störrisches Gespann
stemmte der ganze Zug sich dann
mit aller Macht gegen die schon
voraussehbare Kollision.
Der Heizer sah's sofort und sprang
schnell von der Lok, was ihm gelang.
 
Doch Casey Jones, er blieb an Bord,
als Lokführer lief er nicht fort,
er blieb dort, wo er seine Pflicht
gewöhnlich tat, drückte sich nicht
so wie ein Kapitän ertrinkt,
wenn denn sein Schiff im Meer versinkt.
 
So nahm das Schicksal seinen Lauf:
Die Lok bäumte sich kreischend auf,
als sie auf ihre Hörner nahm
was ihr da vor den Kessel kam,
und gleichzeitig mit Donnerklang
 
zudem noch von den Schienen sprang.
Vom Bremserwagen blieben nur
die Trümmer auf der Schienenspur.
Das umgestürzte Dampfross rauchte,
es zischte jämmerlich und fauchte,
derweil die Dampfpfeife nur summte,
bevor sie endgültig verstummte.
 
Glücklicherweise kann man sagen,
dass Passagier- und Bahnpostwagen
den Aufprall leidlich überstanden,
sich dort nur Leichtverletzte fanden.
Nur einen Toten gab es eben:
John Luther Jones verlor sein Leben.
 
So fand die Eisenbahn-Legende
in dieser Nacht ein frühes Ende.
Das Allertragischste daran:
Jetzt kam die Post verspätet an -
und man vernahm Caseys Signal
fortan leider kein weit'res Mal.
 
Wolfgang RiedmannWolfgang Riedmann দ্বারা সোম, 12/08/2019 - 20:41 তারিখ সাবমিটার করা হয়
Wolfgang RiedmannWolfgang Riedmann সর্বশেষ সম্পাদনা করেছেন শনি, 17/08/2019 - 16:27
ধন্যবাদ!2 বার ধন্যবাদ পেয়েছেন

 

Advertisements
ভিডিও
Wolfgang Riedmann: সেরা 3
মন্তব্যসমূহ
Vera JahnkeVera Jahnke    মঙ্গল, 13/08/2019 - 11:38

⭐️ ⭐️ ⭐️ ⭐️ ⭐️
Auf dass ich Casey Jones nun rühme,
Für seine Tat, die ungestüme,
Die Post kommt heute spät nur an,
Doch dafür lebt der Botenmann.
Und Dir zum Ruhm mein Pfeifenton:
Denn Dir gebührt der Dichterthron!