Liedtext: Sonettenkranz "Lied der Sterne"

  • Künstler/in: Vera Jahnke (Vera Jahnke)
  • Album: Sonette
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Sonettenkranz "Lied der Sterne"

I. Sphärenklänge
 
Noch in Äonen werden Sterne prangen,
die uns in Nächten schenken sanftes Licht.
Und scheinen sie am hellen Tag auch nicht,
sind wir doch stets von ihrem Glanz umfangen.
 
In alten Zeiten ihre Lieder klangen,
voll Poesie, so schön wie ein Gedicht.
Doch bald verhüllte sich ihr Angesicht,
dass ihre Weisen nicht mehr zu uns drangen.
 
Könnt ihr nicht immer heut' das Sternlicht seh'n,
lasst euch doch weiter durch den Zauber leiten,
lasst ihn wie Äther durch die Herzen weh'n.
 
Dafür müsst ihr nur Geist und Seele weiten,
so werdet das Geheimnis ihr versteh'n,
nun seht, wie schön sie durch den Weltraum gleiten...
 
II. Die Kometen
 
Nun seht, wie schön sie durch den Weltraum gleiten,
so leise, dunkel, durch die Welt aus Eis
und suchen doch im Laufe ihrer Reis'
für ihre Art nach neuen Möglichkeiten.
 
Asteroiden rasen durch die Weiten,
verdampfen, glühen, brodeln kochend heiß,
verlieren Masse, doch ist dies der Preis,
dass sie sich so von Schmutz und Eis befreiten.
 
Nun endlich ziehen leuchtend sie vorbei,
um uns mit ihrem Glücke zu belohnen,
wir wissen, dass wir Wünsche haben frei...
 
...obgleich sie sich dafür auch selbst nicht schonen.
Geliebt sind sie, wenn's auch ihr Ende sei,
Kometen, die den Himmelsraum bewohnen.
 
III. Pluto
 
Kometen, die den Himmelsraum bewohnen,
sie zieh'n vorbei an Plutos dunkler Bahn
und meiden ihn, der unter unsrem Bann
als Ausgestoß'ner einsam nun muss thronen.
 
Doch könnte er mit Schätzen uns belohnen,
die, wer den Mut hat, dort bestaunen kann,
denn kommt in seiner Unterwelt man an,
nimmt er uns auf, vorm Leben uns zu schonen.
 
Die Hölle schreckt nur den, der nicht erkennt,
welch dunkle Mächte in uns selber wohnen
und vor sich selbst ein Leben lang wegrennt.
 
Doch könnte sich ein Blick nach innen lohnen,
denn reich wird, wer sich zu sich selbst bekennt,
und weiter geht's vorbei an Plutos Zonen.
 
IV. Neptun
 
Und weiter geht's vorbei an Plutos Zonen,
wir tauchen ein in Neptuns blaues Reich
und spüren, dass im Wesen wir sind gleich -
dies tragen wir im Herzen als Visionen.
 
Doch schenkt uns Neptun oft nur Illusionen,
des Lebens Härte machen sie dann weich,
und wenn man dies erkennt auch nicht sogleich,
schützt es uns doch vor engen Konventionen.
 
Vertrauen ist's, worum es hierbei geht,
dies soll auf unsrem Weg uns stets begleiten,
denn niemand alles wirklich je versteht.
 
Und gibt es auch zu viel Unwägbarkeiten,
ein tiefes Wissen doch in uns besteht,
da Neptun selbstlos hilft durch schwere Zeiten.
 
V. Uranus
 
Da Neptun selbstlos hilft durch schwere Zeiten,
so fliegen wir nun zum Uranus hin.
Des Himmels Herrscher war er zu Beginn,
bis ihm sein Sohn ein Ende tat bereiten.
 
Doch offen war er stets für Neuigkeiten,
und Umsturz war sehr wohl nach seinem Sinn,
was Fortschritt und an Kenntnissen Gewinn
für uns gebracht, um unsren Geist zu weiten.
 
So schiebt auch eure Grenzen weit hinaus,
verliert euch niemals in Alltäglichkeiten
und tretet aus dem Kernschatten heraus.
 
Auch lasst euch eure Zukunft nicht entgleiten,
löscht nie das Lebensfeuer in euch aus,
damit Uranus' Reich sich kann ausbreiten.
 
VI. Saturn
 
Damit Uranus' Reich sich kann ausbreiten,
er oft und gern bei Gaia sich befand.
Die Söhne hat er, ungeliebt, verbannt,
bis dann Saturn beschloss, für sie zu streiten.
 
Von Mutter Gaia ließ er sich verleiten,
hat seinen Vater in der Nacht entmannt,
dass fortan er an erster Stelle stand.
So wurd' er Herrscher über gold'ne Zeiten.
 
Er schenkt Geduld und lässt ertragen Leid,
am Ende wird die Ausdauer sich lohnen,
und nur wer sät, dem winkt die Erntezeit.
 
Und so vergingen wieder Jahrmillionen,
doch dann, wie schon vom Vater prophezeit,
ließ sich Saturn am Ende auch entthronen...
 
VII. Jupiter
 
Ließ sich Saturn am Ende auch entthronen
von Jupiter, den töten nicht gelang,
da einen Stein er statt des Sohns verschlang,
so bildeten sich neu hier die Fraktionen,
 
die seitdem den Olympus so bewohnen.
Gott Jupiter mit Blitz und Donnerklang
die Feinde schreckte und mit Macht bezwang,
doch liebte er's, den Frauen beizuwohnen...
 
Philosophie er brachte und das Recht,
den Jahreszeiten gab er die Sektionen,
und "silbern" hieß das menschliche Geschlecht.
 
So lebten wir für viele Jahrmillionen,
wo Weisheit herrschte, die ganz wahr und echt,
so kann mit Glück uns Jupiter belohnen!
 
VIII. Mars
 
So kann mit Glück uns Jupiter belohnen -
dies hat der Mensch nur leider nicht geehrt,
so blieb das Paradies ihm dann verwehrt,
vertrieben wurd' er aus des Glücks Bastionen.
 
Der Krieg begann, es kämpften Legionen,
so hat die Freud' in Leiden sich verkehrt
und ist nie mehr zu uns zurückgekehrt,
doch schuf man Reiche sich und auch Nationen.
 
Und dieser Fortschritt gab uns wieder Mut,
es öffneten sich neue Möglichkeiten,
wenn auch oft schlecht, war's als Erfahrung gut.
 
Denn Antrieb reißt uns aus Bequemlichkeiten,
das Abenteuer ist des Lebens Glut,
auf dass uns Mars voll Tatendrang kann leiten!
 
IX. Mond
 
Auf dass uns Mars voll Tatendrang kann leiten,
da braucht es nicht nur Kraft, es braucht noch mehr,
was nutzt der Sieg, wenn ohne Seel' er wär?
Gefühle sind die wahren Kostbarkeiten!
 
Glück, Angst, Wut, Trauer - die Befindlichkeiten,
sie wogen wie das weite tiefe Meer,
und ohne sie wär' unsre Seele leer.
Wir sind wie Harfen - dies sind unsre Saiten!
 
Und singt der Mond, dann stimmen wir mit ein,
Musik erfüllt der Seelen Kathedralen
und alles glänzt in seinem Perlenschein.
 
So bleibt ergriffen steh'n vor den Portalen,
denn hier erträumt sich eigentliches Sein,
schon küssen uns des Mondes sanfte Strahlen...
 
X. Erde
 
Schon küssen uns des Mondes sanfte Strahlen,
und auf der Mutter Erde steh'n wir nun,
die wir beherrschen wollen ohne Ruh'n,
was ihr und uns nur bringt noch mehr an Qualen.
 
Wer wird wohl unsre Zeche einst bezahlen?
Die Kinder fluchen bald schon unsrem Tun,
doch lassen wir es gern auf sich beruh'n
und warten auf die Krisen, die globalen...
 
Schnell sollten wir erkennen die Gefahr,
in die wir, ausweglos, schon bald gelangen,
nur sagt nicht, dass dies unabwendbar war.
 
Schon bald hilft uns kein Bitten und kein Bangen,
vielleicht können wir's schaffen, um ein Haar,
damit uns Erdens Segen kann umfangen.
 
XI. Venus
 
Damit uns Erdens Segen kann umfangen,
lasst weiterfliegen uns zu jenem Stern
der Sinnlichkeit - wer fühlte sie nicht gern -
entfacht durch Schönheits glühendes Verlangen.
 
Ihr Auge strahlt, es brennen ihre Wangen,
doch allzu oft bewundern wir's von fern,
als ob wir ihres Antlitz nicht wert wär'n,
weshalb wir sie in Liedern nur besangen.
 
Durch Venus erst spür'n wir des Lebens Fluss,
dass niemals wir ertrinken in Mühsalen,
denn Leben ist in Wahrheit nur Genuss.
 
Lasst taumeln uns in ihren Glückspiralen,
empfangen freudig ihres Lebens Kuss!
So schweben wir in Venus' Orbitalen...
 
XII. Merkur
 
So schweben wir in Venus' Orbitalen,
denn Sinnlichkeit gebiert doch erst den Geist,
was unausweichlich, wenn man weit gereist,
um uns zu öffnen nun dem Rationalen...
 
Der Merkur ist die Gottheit des Mentalen,
Hermaphrodit, wie man ihn auch oft heißt,
ist listenreich, erfinderisch und - dreist!
Doch immer an der Kette des Kausalen...
 
Nah an der Sonne er im Äther schwingt,
als Götterbote oft zu uns gegangen,
dass höchste Offenbarung er uns bringt.
 
Zum wahren Wissen wir somit gelangen,
zu lauschen, was der Sterne Lied uns singt,
mit Weisen, die von Merkurs Leier klangen.
 
XIII. Sonne
 
Mit Weisen, die von Merkurs Leier klangen,
ist unser Ziel, die Sonne, bald erreicht:
Der helle Stern, der keinem andren gleicht,
der uns am Ziel der Reise wird empfangen!
 
Seit Sonnenwinde durch das Weltall schwangen,
gibt Wärme sie und macht das Leben leicht,
verschenkt die Liebe, die für alle reicht,
dass alles Leid für immer sei vergangen!
 
Die Sonne erst macht heil die Welt und ganz!
Wenn wir sie dann umkreist nach vielen Malen,
erstrahl'n wir auch in ihrem ew'gen Glanz.
 
Die lange Reise wir uns selbst empfahlen,
und so am Ende hier den großen Tanz
verheißt die Sonne vor den Licht-Portalen...
 
XIV. Der Kosmos
 
Verheißt die Sonne vor den Licht-Portalen
Erlösung, ist sie doch das Himmelstor
und leitet den geheimen Sternen-Chor,
gibt ihr das wohl das Recht und Grund zum Prahlen.
 
So hört die Lieder, all die triumphalen,
die brachten ihre Sterne hier hervor,
die stiegen in den Äther hoch empor,
zu Ehren unsrer Sonne, der sakralen.
 
Die Sterne leben in uns weiter fort,
sind unter- und auch wieder aufgegangen,
denn ohne sie gäb's weder Zeit noch Ort.
 
Der Kosmos, den wir hier im Lied besangen,
er gibt aus Liebe uns sein Ehrenwort:
Noch in Äonen werden Sterne prangen!
 
XV. Lied der Sterne
 
Nun seht, wie schön sie durch den Weltraum gleiten,
Kometen, die den Himmelsraum bewohnen.
Und weiter geht's vorbei an Plutos Zonen,
da Neptun selbstlos hilft durch schwere Zeiten.
 
Damit Uranus' Reich sich kann ausbreiten,
ließ sich Saturn am Ende auch entthronen,
so kann mit Glück uns Jupiter belohnen,
auf dass uns Mars voll Tatendrang kann leiten!
 
Schon küssen uns des Mondes sanfte Strahlen,
damit uns Erdens Segen kann umfangen,
so schweben wir in Venus' Orbitalen!
 
Mit Weisen, die von Merkurs Leier klangen,
verheißt die Sonne vor den Licht-Portalen:
Noch in Äonen werden Sterne prangen!
 
Danke!
1 Mal gedankt
Von GastGast am Mo, 25/01/2021 - 18:15 eingetragen
Eigener Kommentar:

© Vera Jahnke

Die ist mein erster Sonettenkranz, der sich streng nach dem klassischen deutschen Schema ABBA ABBA CDC DCD richtet, dabei abwechselnd männliche und weibliche Reime sowie einen jambischen Fünfheber verwendet. Auch wurde versucht, im 1. Quartett eine Synthese, in 2. die Antithese und in den Terzetten die Synthese zu realisieren. Durch das strenge Schema kam es allerdings dazu, dass sich die hier weiblichen A- und B-Reime jeweils 32 mal und die C- und D-Reime je 24 mal wiederholen mussten, immerhin ist es aber gelungen, dass sich die übrigen hier männlichen Reime nicht in den anderen Sonetten wiederholten. Das Typische des Sonettenkranzes ist, dass alle Schlusszeilen die Anfangszeilen der jeweils folgenden Sonette bilden müssen, um sich dann in exakter Reihenfolge im 15., dem sogenannten Meistersonett, zu vereinen, wobei die letzte Zeile gleichzeitig die Anfangszeile des 1. Sonetts ist. - Ein weiterer Sonettenkranz findet sich hier: https://lyricstranslate.com/de/frank-unfug-sonettenkranz-fur-meinen-vate...

 

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