Bertolt Brecht - Erstes Dreigroschenfinale (Über die Unsicherheit menschlicher Verhältnisse)

Deutsch

Erstes Dreigroschenfinale (Über die Unsicherheit menschlicher Verhältnisse)

POLLY:
Was ich möchte, ist es viel?
Einmal in dem tristen Leben
einem Mann mich hinzugeben.
Ist das ein zu hohes Ziel?
Ist das ein zu hohes Ziel?
 
PEACHUM (mit der Bibel in den Händen):
Das Recht des Menschen ist’s auf dieser Erden,
da er doch nur kurz lebt, glücklich zu sein,
teilhaftig aller Lust der Welt zu werden,
zum Essen Brot zu kriegen und nicht einen Stein.
Das ist des Menschen nacktes Recht auf Erden,
doch leider hat man bisher nie vernommen,
dass etwas recht war und dann war’s auch so!
Wer hätte nicht gern einmal Recht bekommen?
Doch die Verhältnisse, sie sind nicht so.
 
FRAU PEACHUM:
Wie gern wär’ ich zu dir gut.
Alles möchte ich dir geben,
dass du etwas hast vom Leben,
weil man das doch gerne tut,
weil man das doch gerne tut.
 
PEACHUM:
Ein guter Mensch sein! Ja, wer wär’s nicht gern?
Sein Gut den Armen geben? Warum nicht?
Wenn alle gut sind, ist Sein Reich nicht fern.
Wer säße nicht sehr gern in Seinem Licht?
Ein guter Mensch sein? Ja, wer wär’s nicht gern?
Doch leider sind auf diesem Sterne eben
die Mittel kärglich und die Menschen roh.
Wer möchte nicht in Fried’n und Eintracht leben?
Doch die Verhältnisse, sie sind nicht so!
 
POLLY und FRAU PEACHUM:
Da hat er eben leider recht,
die Welt ist arm, der Mensch ist schlecht.
 
PEACHUM:
Natürlich hab ich leider recht,
die Welt ist arm, der Mensch ist schlecht.
Wer wollt auf Erden nicht ein Paradies?
Doch die Verhältnisse, gestatten sie’s?
Nein, sie gestatten’s eben nicht.
Dein Bruder, welcher an dir hangt,
wenn halt für zwei das Fleisch nicht langt
tritt er dir eben ins Gesicht.
Beständig sein? Wer wollt das nicht?
Und deine Frau, die an dir hangt,
wenn deine Liebe ihr nicht langt
tritt sie dir eben ins Gesicht.
Ja, dankbar sein? Wer wollt es nicht?
Und doch, dein Kind, das an dir hangt,
wenn dir das Altersbrot nicht langt
tritt es dir eben ins Gesicht.
Und dankbar sein? Wer wollt es nicht?
 
POLLY und FRAU PEACHUM:
Ja, das ist eben schade,
das ist das riesig Fade.
Die Welt ist arm, der Mensch ist schlecht,
da hat er eben leider recht.
 
PEACHUM:
Natürlich hab ich leider recht,
die Welt ist arm, der Mensch ist schlecht.
Wir wären gut - anstatt so roh,
doch die Verhältnisse, sie sind nicht so.
 
PEACHUM, POLLY und FRAU PEACHUM zusammen:
Ja, dann ist’s freilich nichts damit,
dann ist das eben alles Kitt!
 
PEACHUM :
Die Welt ist arm, der Mensch ist schlecht,
da hab ich eben leider recht!
 
PEACHUM, POLLY und FRAU PEACHUM zusammen:
Und das ist eben schade,
das ist das riesig Fade.
Und darum ist es nichts damit.
Und darum ist das alles Kitt!
 
Von Aldefina am Mo, 17/10/2016 - 10:04 eingetragen
Zuletzt von Aldefina am Di, 01/11/2016 - 19:14 bearbeitet
Eigener Kommentar:

There were no correct lyrics available - very strange. I was forced to transcribe most parts of the lyrics. The problem was that in different recordings there were some slight differences in the lyrics, so I had to compromise. Nevertheless these differences didn't influence the meaning.
.
Editors & Moderators: Please don't change anything without a discussion with me.

Danke!

 

Übersetzungen von "Erstes Dreigroschenfinale (Über die Unsicherheit menschlicher Verhältnisse)"
Bertolt Brecht: Top 6
Kommentare